Contest an der F60               Hier die Fotos

 

Erster Besuch

Ein nach Luckau verzogener Funkfreund ( Konrad Lange, DL4LRM ) hatte zum Geburtstag mehrere Funkfreunde aus der alten Heimat Pegau eingeladen. Ein Programmpunkt des Geburtstagswochenendes war die Besichtigung des „Besucherbergwerk Abraumförderbrücke F60“.

 

Die Idee

Wer Funkamateur ist, hat ein Antennenproblem.

Die Fragen: „Wie hoch, wie lang oder groß und wie frei kann ich meine Antennenanlage errichten?“ sind ein Dauerthema.

Spätestens als ich am Aussichtspunkt des Besucherweges auf der Förderbrücke in ca. 70m über den Erdboden  in der dortigen Kabine anlangte, war die Idee da. Hier oben müsste man ...

 

Erste Schritte

In der Kantine „Steigerstube“ ließ ich mir eine Visitenkarte geben, um den Förderverein kontaktieren zu können.

Nach ersten Telefonaten mit Herrn Umbreit wurde schnell klar, dass es in der Aussichtskabine keinen Stromanschluß gibt.

Grundsätzlich sei man aber bereit, uns funken zu lassen, es waren schon ortsansässige Funkamateure von dort tätig.

 

Detailplanung

Ich rief ein paar Freunde in Brandenburg, Dresden, Greiz und Zwickau an, informierte meine Pegauer Funkkollegen und kam so auf ein Team von 9 Mann, die sich für die Sache interessierten.

Da wir im etwa gleichen Kreis eine solche Aktion schon einmal im Antennenmessgelände der Post in Brück veranstaltet hatten, war schnell klar, dass es wieder der gleiche Funkwettbewerb mit ähnlichen Antennen sein sollte.

Als Termin ergab sich also das etwas verlängerte Wochenende vom 25. bis 28. Januar 2008, an dem der von der amerikanischen Funkzeitschrift „CQ Magazine“ ausgeschriebene weltweite Wettbewerb „CQ 160m Contest“ stattfinden sollte.

Der Termin und  eine Skizze der an der Förderbrücke und im Gelände zu installierenden Antennen wurde an Herrn Umbreit geschickt.

Das Problem mit der Energieversorgung sollte zunächst mittels eines unter der am Aussichtspunkt hängenden „Delta Loop“ ( dreieckige Drahtschleife von 160m Gesamtumfang ) stehenden Kleintransporters als Funkbude ( Shack oder dt. Schapp ) unter Verwendung eines 300m Verlängerungskabels gelöst werden.

Der Förderverein zeigte sich einverstanden und schickte die Informationen an die Behörden weiter, die diese Sache aus bergrechtlicher Sicht zu prüfen hatten.

 

Haftungsvereinbarung

Nach einiger Zeit ging bei mir eine „Haftungsvereinbarung“ vom „Amt Kleine Elster“ ein.

Die Formulierung „... übernimmt die vollständige Haftung für jegliche Sach- und/oder Personenschäden...“ ließ mich zunächst an Aufgabe des Vorhabens denken, aber da die Justitiarin des „Deutschen Amateurradioclubs“ ( DARC ), dessen Mitglieder die Mehrzahl der deutschen Funkamateure sind und der für solche Fälle die Versicherung übernimmt, dem Vorhaben zustimmte, konnte es weitergehen.

 

 

Praktische Vorbereitung

Die Seilerei Sammt in Elsterberg lieferte an Olaf 400m Seil für die Abspannungen, ein Baumarkt verkaufte mir zwei Umlenkrollen und wir fuhren mit dieser Ausrüstung am 28.12.07 nach Lichterfelde. Dort wurden wir von Herrn Nadebohr vom Förderverein empfangen und auf die Förderbrücke geleitet, wo wir die Umlenkrollen und Seile vorab installieren konnten. Es hätte ja diese notwendige Arbeit auch kurz vor der eigentlichen Funkerei gemacht werden können, aber eventuell starker Wind oder Eis verbieten natürlich solche Tätigkeiten und gefährden damit das Gesamtunternehmen.

Da inzwischen klar war, dass kein Kleintransporter als Schapp zur Verfügung stand, griffen wir dankbar auf das Angebot zur Nutzung des im „Werkstattwagen“ befindlichen Seminarraumes zurück. Unklar blieb die Frage nach den 300m Antennenkabel, die nun nötig waren.

In der Heimat fertigte ich aus Draht eine Dipolantenne von 80m Gesamtlänge, welche ich zum Erstaunen der Nachbarn auf der Wiese ausprobierte.

Ebenso musste die Delta Loop, die aus Brandenburg bei mir eintraf, noch mal ausgerollt und überprüft werden.

Derweil organisierten die anderen Funkfreunde die diversen anderen Teile, unter anderem Frank eine Rolle mit 300m Koaxkabel von ca. 11mm Dicke. Das ist nur zu zweit zu bewegen.

 

Der Aufbau

Freitag 25.01.08 war es dann soweit, im Laufe des Tages reisten letztlich 7 Teilnehmer in Lichterfelde an der F60 an und begannen mit dem Aufbau.

Dipol und Delta Loop wurden mehrfach an den im Dezember vorbereiteten Aufhängepunkten aufgelassen, gemessen, dann wieder abgelassen und verändert, um dann endlich auf der gewünschten Frequenz von 1850 kHz resonant zu sein.

Eine Beverage Antenne von ca. 200m Länge wurde etwa 2m über Grund Richtung USA ausgespannt, um die schwachen Signale aus USA gegenüber den starken aus Europa im Empfänger etwas anzuheben.

Die eigentliche Funktechnik wurde dann im Seminarraum aufgebaut.

Zwei komplette Sendeepfangsgeräte, Endstufen, drei Computer, Morsetasten ...

Mittag in der Steigerstube, Bockwurst zu sozialen Preisen, dazu Freundlichkeit.

 

Funken vor dem Contest

Funkamateure sind Sammler. Sie sammeln z.B. Funkkontakte mit verschiedenen Ländern, Kontinenten, Städten, Inseln, Leuchttürmen, Bergen, Bergwerken...

Die Bestätigung der Kontakte erfolgt mit sogenannten QSL-Karten.

Die Förderbrücke F60 ist ein Bergwerk, also gab es schon vor dem eigentlichen Contest eine Menge Interessenten.

So konnte Mike schon die ersten 55 Verbindungen tätigen.

 

Contest

0100 am 26.01. ging es los. Zwei Mann am Kopfhörer, die anderen beim Skat oder schlafen.

Anfängliche wurden zwei bis drei Kontakte pro Minute geloggt.

Nicht so einfach, aus der Vielzahl der anrufenden Stationen eine zu verstehen.

Nach Wechsel der Operateure gegen 1000 morgens Schluß, das 160m Band funktioniert nur nachts wegen der Ionosphäre. Mittag 1230 Steigerstube Bratwurst mit Sauerkraut, wieder sozial, wieder freundlich. Ab 1400 die nächste Runde wieder bis Sonntag früh gegen 1000, dann (nach Schnitzel) noch mal von 1400 bis zum Ende des Contestes 0100 am Montag. Ständiger Wechsel zwischen funken und schlafen. Sonnabend Nacht Sturm und Regen, ein Häring der Delta Loop gelöst, vier Mann mit Taschenlampen zur Reparatur. Zwischendurch das Halbfinale Handball im Fernsehen. Die wissen nach der Spielzeit ihren Platz, wir warten noch ein halbes Jahr auf die Auswertung.

 

Ergebnisse

Erreicht wurden:

Verbindungen gesamt               1302

 

Länder                                                70

US-Staaten und kanad. Provinzen        38

 

Prozentuale Verteilung der Verbindungen nach Kontinenten:

Europa                                                82,5%

Nordamerika                                       12,8%

Südamerika                                         0,1%

Afrika                                                 0,6%

Asien                                                  4,0%

 

Anzahl der Verbindungen in einzelne Länder (Auswahl):

Deutschland                                        248

USA                                                   142

Kanada                                               24

Tschechische Republik             114

Polen                                                  55

Ukraine                                               69

Russland (Europa)                               117

Russland (Asien)                                 42

 

Bis auf wenige Ausnahmen wurden alle europäischen Länder erreicht.

 

Jeweils eine Verbindung gelang nach:

Arabische Emirate, Bahamas, Chagos Archipel, Marokko, Madeira, Kanaren, Ceuta und Melilla, Martinique, Nordirland, Algerien, Sardinien, Japan, Guantanamo, Virgin Inseln, Israel, Brasilien, Aserbaidshan, San Marino, Montenegro, Malta, Mexico, Georgien, Mazedonien

 

In der ersten Stunde zählten wir 107 Verbindungen.

 

Abbau

Da die meisten am Montag wieder arbeiten mussten, (die Wirtschaft brummt und Funkamateure sind selten arbeitslos,) waren wir zum Abbau nur zwei Mann.

Die Nacht zum Montag war nach 0100 völlig windstill und der Mond schien, deshalb konnte ich die Beverage schon aufwickeln und wegräumen. Der Anblick der alten Stühle, auf deren Lehnen der Draht teilweise befestigt war, mutete im Mondlicht noch merkwürdiger an als bei Tage.  Das war um 0200 geschafft. Dann mit dem Tageslicht gegen 0700 wieder raus und den Rest abgebaut. Muskelkater gegen 1100 vom Tragen der Geräte und von der Aufwickelei der 300m Koaxkabel. Dann endlich Steigerstube, Bockwurst, Kartoffelsuppe und wieder alles freundlich und günstig.

 

Schlußbetrachtung

In unserer technikfeindlichen Gesellschaft ist es schon ein Vergnügen, in solch aufgeschlossener Atmosphäre und unter solchen in jeder Hinsicht günstigen Bedingungen wie an der F60 einem kommunikativen, aber nun eben doch technischen Hobby nachzugehen.

Wie oft lesen wir von Nachbarschaftsstreit wegen des ach so furchtbaren Anblicks der Antenne oder gar der von ihr ausgehenden geheimnisvollen Strahlung.

Wir haben neue Freunde gefunden und alte Beziehungen gestärkt.

Einige anstrengende Tage mit wenig Schlaf, und dennoch eine große Entspannung und neue Kraft für das Tagesgeschehen.

Nach dem Contest ist vor dem Contest, der nächste kommt bestimmt. Christian wird Antennen im Computer simulieren, neue Ideen werden kommen.

Eines Tages wird wieder was geplant....

Die F60 wird dabei eine Rolle spielen.

 

         --        Jörg Bräutigam     DL3ARM     30.01.2008 
 

P.S. Die Mitstreiter:

 

DL2AMC   Christian

DL4WA      Gunter

DL1WA      Frank
DL2LBQ    Mike
DL3ARM   Jo

DL2ARD    Oliver
Funkfreund Andreas (noch kein Rufzeichen)               Zur Startseite